LRT Pro Timer 2.5: Endlich ein professioneller Intervalometer für Zeitraffer

Der Intervallauslöser ist das Grundwerkzeug für Timelapse Aufnahmen. Integrierte Intervalometer der Kameras oder externe Kabelauslöser haben aber ein Problem: Sie blockieren die Kamera, sind unzuverlässig und langsam. Jetzt gibt es dafür eine Lösung.

Das wichtigste Werkzeug für Timelapse

Ein Timelapse Video besteht aus vielen einzelnen Fotos. Dazu wird die Kamera in regelmäßigen Abständen (dem Intervall) ausgelöst. Werden die Fotos zu einem Video zusammengefügt und schnell abgespielt hast du ein Timelapse Video.

Das regelmäßige Auslösen ist die wichtigste Aufgabe um Zeitraffer zu erstellen. Egal welche Kamera, egal welches Objektiv – ohne Intervallauslöser kannst du kein Timelapse aufnehmen.

Bisher gab es drei Möglichkeiten:

  • Der integrierte Intervalometer der Kamera
  • Ein externer günstiger Kabelauslöser
  • Eine Smartphone App die per Bluetooth/WLAN die Kamera auslöst

Der integrierte Intervalometer der Kameras ist meist sehr simpel und einfach. Allerdings blockiert dieser die Kamera während der Aufnahme und du kannst keine Einstellungen ändern.

Apps die per Bluetooth oder WLAN die Kamera auslösen sind praktisch, haben aber alle das selbe Problem: Unterbricht die Funkverbindung wird nicht mehr ausgelöst und die Aufnahme ist unbrauchbar.

Die bisher zuverlässigste Lösung sind externe Kabelauslöser. Du schließt das Gerät an die Kamera an, stellst das Intervall ein und drückst auf Start – die Aufnahme läuft.

Leider wird dabei die Kamera bereits mehrere Sekunden vor dem Auslösen blockiert da der Kabelauslöser den Autofokus aktivieren möchte – der aber ohnehin auf manuell eingestellt ist für Zeitraffer.

Bei kurzen Intervallen ist es also nicht möglich zwischen dem Auslösen Belichtungseinstellungen zu ändern oder das Bild zu kontrollieren. Genau so wenig siehst du wie viele Fotos schon gemacht wurden, wie viel Zeit vergangen ist und hast keine Übersicht.

Der LRT Pro Timer 2.5 löst all diese Probleme und kann noch viel mehr!

Hardware

Der LRT Pro Timer 2.5* ist gerade mal 6x4cm groß und somit sehr kompakt.

Interessant ist, dass er nur mit einem Bedienrad auskommt: Durch drehen des Rades kann man durch das Menü scrollen und die verschiedenen Werte verändern. Bestätigt und ausgewählt wird mit einem kurzen Druck auf das Rad. Zurück geht’s mit einem längeren Drücken des Rades.

Das ist praktisch, denn es gibt keine kleinen Knöpfe die man unabsichtlich drücken könnte sondern nur ein großes Rad, das selbst mit Handschuhen gut zu bedienen ist.

Das große Drehrad lässt sich gut greifen und gibt deutliches Feedback wie viele “Klicks” man gedreht hat. Auch der Druckpunkt ist deutlich zu fühlen, allerdings ist es für meinen Geschmack etwas zu schwer zu drücken. Um die Kamera nicht zu sehr zu bewegen während einer Aufnahme muss man schon mit der zweiten Hand oder dem Daumen gegenhalten.

Ein kleiner physischer Schalter neben dem Gerät schaltet das Gerät ein bzw. aus. Zuerst hatte ich bedenken, weil der Schalter direkt neben dem Rad ist – aber bis jetzt hätte ich kein einziges Mal unabsichtlich den Schalter berührt. Auch wird der Schalter vom Rad weggedrückt, und nicht mit dem Rad nach vor gedrückt – ein unabsichtliches Ausschalten ist also eigentlich unmöglich.

Ein physischer Schalter birgt allerdings die Gefahr, dass man vergisst den ProTimer auszuschalten. Auch das ist allerdings kein großes Problem. Konkret hatte ich den Timer für 24 Stunden eingeschaltet am Schreibtisch liegen und der Batteriestand hat sich nur um 30% reduziert. Das Display schaltet auch nach einiger Zeit den “Bildschirmschoner” ein, ob der Strom spart ist allerdings fraglich – aber lustig 😉.

Kameraanschluss

Angeschlossen wir die Kamera über einen standardisierten 2.5mm Klinkenanschluss. Für alle Kameramarken gibt es entsprechende Adapterkabel bei Amazon.

Der LRT Pro Timer hat sogar zwei Ausgänge um zwei Kameras gleichzeitig auszulösen. Mehr dazu weiter unten bei „Zwei Kameras gleichzeitig auslösen“.

Akkulaufzeit

Verbaut ist ein 800mAh Akku der zumindest 24h durchgehendes Fotografieren durchhält. Das ist natürlich kein Vergleich zu einem Intervalometer der mit zwei AAA Batterien deutlich länger auskommt, allerdings für die Funktionen ist das voll ok.

Man muss ohnehin nach einem intensiven Shooting alle Geräte aufladen, da kommt mit dem ProTimer nun noch eines dazu.

Das Aufladen dauert mit einem herkömmlichen USB-Ladegerät und Micro-USB Kabel 3-4 Stunden.

Die integrierte Knopfzellen Batterie liefert zusätzlich Strom damit auch bei leerem Akku die Einstellungen wie Datum und Uhrzeit erhalten bleiben und hält mehrere Jahre, kann aber einfach ausgetauscht werden wenn notwendig.

Mini-Display

Beim ersten Eindruck dachte ich mir, dass das Display schon sehr klein geraten ist. Es wirkt unproportional zum Gehäuse und etwas größer würde optisch schöner aussehen. Aber es geht ja schließlich nicht um die Optik sondern die Funktionalität.

Das OLED-Display ist auch bei direktem Sonnenschein gut abzulesen und zeigt zu jeder Zeit alle notwendigen Informationen. Die Auflösung von 128×32 Pixeln ist dabei vollkommen ausreichend und man kann klar und deutlich die Infos erkennen.

Die Helligkeit ist ein guter Kompromiss um tagsüber noch alles gut zu erkennen und nachts nicht zu sehr zu blenden. Allerdings würde eine adaptive Helligkeitsanpassung nicht stören.

Vorteil von dem OLED Display ist, dass es bis -20° problemlos funktioniert und vermutlich auch noch darunter seinen Dienst tut. LC-Displays geben da schon den Geist auf.

Handling/Befestigung

Der ProTimer hat zwei vorstehende Erhöhungen die genau in den Blitzschuh der Kamera passen. So kann man den ProTimer ganz einfach auf die Kamera stecken. Zusätzlich gibt es noch eine Möglichkeit eine kleine Schlaufe anzubringen und eine Möglichkeit ein Klettband durch zu fädeln um den Timer zB. am Stativ festzumachen.

Schön wäre es, wenn die Rückseite des ProTimers magnetisch wäre und man ihn einfach ans Stativ “andocken” könnte ohne mit einem Klettband herumfummeln zu müssen. Dazu bräuchte man dann nur ein kleines passendes Gegenstück am Stativ. Auf Carbon und Alu Stativen würde der Magnet ja leider nicht halten. Die beste Option ist aber ohnehin der Blitzschuh.

Software: Die Funktionen

Timelapse (M)

Im “normalen” Timelapse Modus macht der ProTimer genau das, was man sich erwartet von einem Intervalometer: Man stellt Intervall und Anzahl der Fotos ein und legt los.

Es sind Intervallzeiten von 0.3 Sekunden bis 720 Minuten möglich.

Wobei man bis 30 Sekunden in 0.1 Schritten einstellen kann, danach in 0.5s Schritten, ab 1 Minute in 1 Sekunden Schritten, ab 3 Minuten in 5 Sekunden Schritten, usw. Die Schritte vergrößern sich also mit der Zeit, damit bleibt das Menü übersichtlich und man kann schneller zu einem hohen Wert springen. Wer dennoch ganz genaue Werte braucht kann dafür den Custom Timelapse Modus verwenden der dann durchgehend in 0.1s Schritten arbeitet.

Das entscheidende beim ProTimer ist, dass er nicht wie andere günstige Intervalometer bereits 3 Sekunden vor dem Auslösen ein Autofokus-Signal schickt und so die Kamera unnötig blockiert. Sowohl bei Timelapse- als auch Astroaufnahmen ist der Autofokus ohnehin nicht in Verwendung, so schickt der ProTimer das Autofokussignal erst Millisekunden vor dem Auslösen an die Kamera (ganz ohne löst die Kamera nicht aus).

Der Vorteil dabei: Die Kamera kann bis zum Auslösen bedient werden um zB. die Belichtung anzupassen oder die Aufnahme zu kontrollieren. Der für mich größte Vorteil des ProTimers!

Timelapse/Astro (B)

Der TL/Astro Modus ist gedacht für Aufnahmen mit einer Belichtungszeit die länger als 30 Sekunden ist. Das ist zum Beispiel bei der Astrofotografie wichtig wo auch Belichtungszeiten von mehreren Minuten nicht ungewöhnlich sind.

Kameras haben dazu die Möglichkeit die Belichtungszeit auf “bulb” einzustellen. Das bedeutet es wird solange belichtet solange der Auslöser gedrückt ist.

Stellt man jetzt am ProTimer eine Belichtungszeit von zB. 60 Sekunden und die Kamera auf “bulb” ein, löst der ProTimer genau 60 Sekunden lang aus.

Danach stellt man wieder das Intervall ein und kann so sehr schön Astro-Timelapse oder auch “Starlapse” mit langen Belichtungszeiten aufnehmen.

Single/Bulb

Ähnlich wie der TL/Astro Bulb Modus ist der Single/Bulb Modus für die Astrofotografie gedacht. Es können beliebige Belichtungszeiten definiert werden und der ProTimer löst genau einmal aus (“single”). Diese Funktion ist also wirklich nur für Astrofotografien interessant um genau ein Foto mit dieser Einstellung zu machen. Für Astro-Timelapse ist der vorherige Modus der Richtige (“Timelapse/Astro (B)”).

Timed Timelapse

Mit dem “Timed TL” Modus kann man auf die Sekunde genau planen, wann ein Timelapse beginnen soll. Man gibt Datum und Uhrzeit ein, stellt wieder Belichtung und Intervall ein und wartet bis das Timelapse beginnt.

Der Modus ist vor allem dann wichtig, wenn man die Kamera an einem Ort aufbaut und nicht sofort beginnen möchte. Zum Beispiel möchte man den Sonnenaufgang fotografieren, richtet die Kamera am Abend ein und legt sich dann schlafen. Die Aufnahme beginnt dann pünktlich genau zum eingestellten Zeitpunkt.

Im Unterschied zu anderen Timern, kann man wirklich Datum und Uhrzeit angeben und nicht einfach nur “in 8 Stunden”, das vereinfacht die Planung.

Besonderheiten & Highlights

Shooting-Menü

Besonders praktisch ist die umfangreiche Anzeige während der Aufnahme:

Man sieht auf einem Blick

  • Anzahl der bereits gemachten Fotos
  • verbleibende Fotos (wenn nicht unlimitiert eingestellt)
  • Sekunden bis zum nächsten Foto
  • aktuelles Intervall
  • vergangene Zeit in Stunden, Minuten, Sekunden
  • Abspieldauer des fertigen Videos

Eigentlich ein must-have und sehr simpel, dass die Anzahl der Fotos angezeigt wird – aber günstige Kabelauslöser von zB. Amazon können das nicht.

Interval Ramping

Das Interval Ramping ist eine der Stärken des ProTimers. Bei keinem anderen Timer kann man derart präzise und einfach das Intervall während der Aufnahme verändern.

Du startest zum Beispiel eine Holy-Grail Aufnahme tagsüber mit einem Intervall von 5 Sekunden. Irgendwann wird es aber so dunkel, dass 5 Sekunden nicht mehr ausreichen für eine ausreichende Belichtung. Für längere Belichtungszeiten muss als das Intervall verlängert werden.

Genau das kann man mit dem Interval Ramping machen: Du stellst ein, dass sich in den nächsten zB. 20 Minuten das Intervall langsam von 5 Sekunden auf 10 Sekunden verändern soll. Der ProTimer erhöht dann gleichmäßig ganz langsam das Intervall, zuerst auf 5.1 Sekunden, dann 5.2 usw. bis er 20 Minuten später bei 10 Sekunden angekommen ist. Durch das gleichmäßige, „sanfte“ Erhöhen des Intervalls merkt man im Timelapse dann keine plötzliche Geschwindigkeitsveränderung sondern hat ein schönes flüssiges Video.

Flashlight

Ein nettes Gimmick ist die Taschenlampenfunktion des ProTimers. Man kann während einer Aufnahme den “Flashlight” Modus aktivieren und so das Display als Taschenlampe verwenden. Durch drehen kann man von ganz wenig bis zur vollen Helligkeit das Display verändern und so eine zusätzliche Lichtquelle schaffen.

Natürlich ist das Display keine richtige Taschenlampe, es ist mehr ein kleines Lämpchen. Das reicht allerdings bei Nachtaufnahmen vollkommen aus um den Vordergrund (zB. einen Baum, einen Ast etc.) leicht aufzuhellen.

Ehrlich gesagt, habe ich das noch nie verwendet. Könnte mir aber vorstellen, dass es zum Beispiel bei dieser Astro Aufnahme besser aussieht, wenn dadurch die Blätter der Weinreben noch etwas aufgehellt werden:

Du musst allerdings bedenken, wenn man den ProTimer als Taschenlampe verwendet, mussst du während der Aufnahme auf alles andere verzichten (Anzeige der Restzeit, Interval Ramping etc.)- und das macht ja eigentlich den ProTimer aus.

Zwei Kameras gleichzeitig steuern

Eine weitere Besonderheit des ProTimers ist die Möglichkeit zwei Kameras gleichzeitig zu steuern:

Es gibt zwei standardisierte 2.5mm Klinkenstecker an denen du mit entsprechenden Kabeln zwei Kameras gleichzeitig anstecken kannst. Hast du also zwei Kameras zB. mit unterschiedlichen Brennweiten nebeneinander stehen, kannst du diese mit einem einzigen ProTimer steuern.

Ich bin zwar oft mit zwei Kameras unterwegs, allerdings baue ich die erste Kamera auf und starte das erste Timelapse und danach baue ich erst die zweite Kamera auf und starte das zweite Timelapse. Das heißt, würde ich dafür den ProTimer verwenden, würde für die zweite Kamera die Anzahl der gemachten Fotos, die Laufzeit etc. alles nicht stimmen (weil später gestartet). Persönlich wäre is mir da lieber für die zweite Kamera den alten Intervalometer einzusetzen und nicht zusätzlich ein Kabel zwischen den Kameras zu spannen.

Könnte ich mit dem ProTimer zwei individuelle Einstellungen für die jeweilige Kamera konfigurieren, wäre das natürlich perfekt! Das wäre dann wie zwei vollwertige ProTimer in einem! Leider funktioniert das derzeit aber (noch?) nicht.

Das zweite Szenario, wo ein zweiter Ausgang interessant sein könnte, wäre, wenn man mit einem Ausgang die Kamera und mit dem zweiten Ausgang eine Motion-Control Hardware steuern würde. Auch hier ist es aber nicht unbedingt notwendig, da die meisten Motion-Controller (wie Pine, NMX etc.) einen eigenen Eingang für externe Trigger haben und über den regulären Port weiterhin die Kamera steuern.

Wünsche & Verbesserungen

Ich würde mir Wünschen, dass man den ProTimer per Bluetooth und entsprechender App auch kabellos konfigurieren kann – ganz ohne die Kamera zu berühren. So hättest du immer noch die Zuverlässigkeit einer Kabelverbindung zur Kamera, könntest die Einstellungen aber bequem am Smartphone vornehmen und kontrollieren. Während einer Aufnahme müsstest du den ProTimer dann auch nicht berühren und gehst nicht das Risiko ein, eine Aufnahme zu verwackeln.

Mit einer App wär es dann auch sehr einfach zwei Kameras mit unterschiedlichen Einstellungen zu konfigurieren und so beide Ausgänge perfekt zu nutzen. Ebenso könntest du die Taschenlampen-Funktion verwenden und gleichzeitig den Status der Aufnahme in der App sehen.

Auch wenn durch Firmware Updates neue Funktionen hinzugefügt werden, ist das vermutlich wegen der Hardware nicht möglich – aber wer weiß, was ein zukünftiger LRT Pro Timer 3.0 bringt? 😀

Fazit

Der LRTimelapse ProTimer 2.5* hat ab sofort einen Fixplatz in meinem Fotorucksack. Für Timelapse-Fotografen ist es mit Abstand der einfachste und beste Intervallauslöser. Die einfache Bedienung, das schnelle, zuverlässige Auslösen und die Anzeige während der Aufnahme sind für mich eine der wichtigsten Kriterien. Dazu dann noch die Möglichkeit des Intervall Rampings und er kann alles was man braucht.

Der Preis ist mit 179€ sehr hoch angesiedelt und ist eine ganz andere Atmosphäre als die 20€ Intervalometer aus China. Für die vielen Funktionen und zukünftige Verbesserungen mit Firmware Updates kann man aber durchaus mehr verlangen.

Vorteile:

  • super kompakt
  • sehr einfach zu bedienen
  • zuverlässig
  • schnell, keine Verzögerung beim Auslösen
  • einfache Firmware Updates + laufende Verbesserungen
  • Interval Ramping
  • alles auf einem Blick während der Aufnahme

Nachteile:

  • etwas teuer
  • nur eine Kamera konfigurierbar
  • nicht über Bluetooth per App programmierbar
  • (noch) nicht in Österreich verfügbar mittlerweile auch in Österreich erhältlich

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